Geschichte
Prerow war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Bauern-, Fischer- und Seefahrerdorf. Es erlebte die Blüte und den Niedergang der Seefahrt hautnah. Und als 1854 der erste Badegast kam, schüttelten die Einheimischen nur die Köpfe.
Die erste Erwähnung Prerows stammt aus dem Jahr 1296. Der Name Prerow (slawisch: prerova) bedeutet soviel wie Graben oder Durchbruch. Damit bezeichneten die ersten Siedler die Ortschaft am Prerow-Strom.
Das kleine Örtchen durchlebte harte Zeiten: Seeräuber, Sturmfluten und entbehrungsreiche Tage. Zwischenzeitlich kam es unter schwedische Herrschaft, dann wieder unter die dänische. In der Blütezeit der Seefahrt lebten über 100 Kapitäne im kleinen Prerow. Von ihren ruhmreichen Tagen erzählen noch heute die bunten, reichverzierten Darßer Haustüren.
Das Leben in Prerow war bis um 1700 geprägt von Entbehrungen und Abgeschiedenheit. Ein Landstrich aus Seesand, auf dem kaum etwas wächst, das die Bewohner ausreichend ernähren konnte. Der Wald mit Holz, Beeren, Pilzen und Wild, die Gewässer mit Fisch, Wiesen mit Gras fürs Vieh, waren die Quellen, aus denen man nur schöpfen konnte. Röhrichtgürtel lieferten Rohr für die Bedachung der Häuser.
Vertraut im Umgang mit dem Meer, wagten sich die Darßer immer weiter hinaus, bauten Boote und schafften auf dem Seeweg Produkte heran, die es in Prerow nicht oder nicht ausreichend gab. Bald schon galten sie als erfahrene, tüchtige Seeleute und wurden auf Handelsschiffen angeheuert. Einige bauten eigenen Schiffe oder beteiligten sich als Partenreeder daran. Die Darßer und Fischländer Segelschifffahrt erreichte zur Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Blütezeit.
1815 ging der Darß an Preußen zurück, die glorreichen Tage der Seefahrt waren gezählt und das einfache, bäuerliche Leben dominierte. Im Jahr 1854 kam ein äußerst eigenartiger Fremder in den Ort: Dr. Karl Bindemann wollte mit seiner Familie ein paar Tage „Urlaub“ in Prerow machen. Die Darßer ahnten nicht, dass dies der vorsichtige Beginn der Zukunft des Örtchens sein würde.
Zu den ältesten Gebäuden zählen die Seemannskirche, das „Pfarrwitwenhaus“, sowie das „Eschenhaus“. Viele der noch älteren Lehmkaten haben die Zeiten nicht überstanden.
Die Besiedlung Prerows erfolgte vom Hafengebiet immer entlang alter Dünenzüge in Ost-West-Richtung. Die dazwischen liegenden feuchten Senken, Riegen genannt, standen im Frühjahr oft unter Wasser und blieben unbebaut.


Maritime Baukultur
Die Darßer Geschichte spiegelt sich wunderbar in einigen Prerower Bauwerken wider. So manche Holztür erzählt von tapferen Seefahrern und der Leuchtturm ist aus einer Zeit, in der die Signale noch aus Feuer waren.
Bei Spaziergängen durch Prerow können Sie wunderbare Zeugnisse der Vergangenheit entdecken. Ob Kapitäns-, Fischer- oder Bauernhaus, sie haben eins gemeinsam: sie sind mit Schilfrohr (Reet) gedeckt. Ein praktischer Naturbaustoff direkt vom Bodden, der im Sommer vor Hitze schützt und im Winter isoliert.
Die schönste baukulturelle Eigenart sind wohl die bunten Holztüren. Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Seefahrt ihre Blüte. Reichverzierte Türen zeugten von einer erfolgreichen Seefahrerfamilie. Durch geschnitzte Symbole, wie Sonnenkreuze, Blumen und Anker sollte Frieden und Wohlstand über die Türschwelle gelangen.
Farbenfrohe Zeugen der Seefahrtsgeschichte
Die kunstvoll geschnitzten, bunt bemalten Haustüren in Prerow sind mehr als nur Eingänge – sie sind kleine Kunstwerke mit großer Geschichte. Jede Tür erzählt vom Stolz der Seefahrer, von Fernweh und Heimkommen, von vergangenen Zeiten, in denen über 100 Kapitäne im Ort lebten. Ein liebevoll erhaltenes Relikt, das Prerows maritimes Erbe bis heute lebendig hält.
Die Seemannskirche ist das älteste Gotteshaus auf dem Darß (erbaut 1726/28). Ihre Inneneinrichtung erzählt von geretteten Schiffsmannschaften, die liebevoll gebaute Modellschiffe oder Kronleuchter gespendet haben. Neben klassischen Gottesdiensten finden hier auch Ausstellungen, Lesungen und Konzerte statt.

Künstlerhäuser
Der besondere Reiz der Darßer Landschaft zog bereits
in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Reihe namhafter Künstler in ihren Bann.
Was den Darß so anziehend machte, das waren neben der weitgehend unberührten Natur und den einfachen dörflichen Lebensverhältnissen die Vielfalt der Landschaftsformen, die faszinierenden Lichtverhältnisse zwischen Meer und Bodden, die Weite des Himmels, das atmosphärische Wechselspiel der Jahres- und Tageszeiten, sowie die Originalität und Bizarrheit vieler Motive in der Natur und den Dörfern.
Das „Eschenhaus“
Theodor Schultze-Jasmer (1888–1975), Grüne Straße 8 (privates Wohnhaus)
Das Eschenhaus ist eines der ältesten erhaltenen Wohnhäuser in Prerow. Die 1779 erbaute Fischerkate ist ein typisches Zeugnis Darßer Baukultur mit einer ruhigen, tief heruntergezogenen Rohr-Dachfläche, holzverschalter Fassade, Sprossenfenstern und der wunderschön verzierten Haustür. Im Jahr 1921 erwarb der Maler und Grafiker Theodor Schultze-Jasmer das Haus und lebte hier bis zu seinem Tode im Jahr 1975. In zahlreichen Radierungen und Ölgemälden hielt er die Landschaft und das Dorfidyll fest. Er war es auch, der den Begriff „Windflüchter“ für die vom westlichen Seewind geneigten und geschorenen Bäume am Weststrand prägte. Sein Atelier hatte er im Nebengebäude eingerichtet welches 2014 abgerissen wurde.1929 eröffnete Schultze-Jasmer am Hauptzugang zum Strand die Darßer Kunsthütte als Galerie. Sie existierte noch über seinen Tod hinaus bis 1989.
Das Schaefer-Ast-Haus
Albert Schaefer-Ast (1890–1951), Schaefer-Ast-Weg 8 (Wohnhaus)
Als der Zeichner und Maler Albert Schaefer-Ast im Jahr 1939 die alte Fischerkate im südwestlichen Teil Prerows kaufte, lag diese noch von weiten Wiesen umgeben. Hier verbrachte der in Berlin lebende Künstler die Sommerzeit, traf Freunde und holte später seine Malschüler mit hierher.
Nach der Zerstörung seiner Berliner Wohnung durch einen Bombenangriff 1943 wurde das Prerower Haus Zufluchtsort. Der Garten und der nahe liegende Wald ernährten ihn leidlich. Sein Leben in Prerow mit Häuschen und Garten dokumentierte Ast zeichnerisch. Die Bildgeschichte ist in dem Buch „Ablauf des Jahres“ 1948 bei Kiepenheuer erschienen. Im Jahr des Kriegsendes 1945, kamen so viele Flüchtlinge nach Prerow, dass auch in Asts Sommerhaus Untermieter einquartiert wurden. Eine Kammer blieb ihm zur Verfügung. Im selben Jahr wurde er als Professor an die Hochschule für Baukunst und bildende Künste nach Weimar berufen, wo er bis zu seinem frühen Tode im September 1951 das Grafik- und Zeichenseminar leitete.

Die Sturmflut 1872
Im November 1872 war die südliche Ostseeküste von einem besonders schweren Sturmfluthochwasser betroffen.
Als Erinnerung findet jährlich eine Veranstaltungsreihe aus Führungen, Lesungen und Vorträgen statt.
Erkunden Sie auf eigene Faust den Sturmflut Rundweg durch Prerow.
Ortsführungen
Von April bis Oktober nimmt Sie Frau. Dr. Pataki mit auf verschiedene Führungen durch das Ostseebad Prerow
Darß-Museum
Im Herzen von Prerow liegt das Darß-Museum,
welches einen faszinierenden Einblick in die Kultur, Geschichte und Natur der Halbinsel Fischland-
Darß-Zingst bietet.

